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Echt jetzt?
Weißt Du, wie viel Macht du Dingen gibst, indem du ihnen Bedeutung verleihst?
Wir geben den Dingen in unserem Leben ständig eine Bedeutung – oft ganz automatisch. Ein Satz, den jemand zu uns sagt, eine Absage, eine Enttäuschung oder eine Situation, die uns verletzt, kann in unserem Inneren eine ganze Geschichte auslösen. Wir überlegen, warum etwas passiert ist, was es über uns oder den anderen aussagt und was wir daraus schließen müssen. Und je länger wir darüber nachdenken, desto größer wird manchmal der Raum, den diese eine Situation in unserem Leben einnimmt.
Dabei lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Wichtigkeit, Bedeutung und Bewertung?
Wichtigkeit beschreibt den Stellenwert, den wir etwas geben. Wenn uns etwas wichtig ist, schenken wir ihm Aufmerksamkeit und Energie. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Doch manchmal nehmen wir etwas so wichtig, dass alles andere daneben verblasst. Wir sehen nur noch dieses eine Problem, diesen einen Menschen oder diese eine Enttäuschung – und übersehen dabei vielleicht längst andere Möglichkeiten, schöne Momente oder etwas Neues, das gerade entstehen möchte.
Ähnlich verhält es sich mit der Bedeutung. Denn Bedeutung ist nicht unbedingt das, was einem Ereignis objektiv innewohnt. Bedeutung entsteht auch dadurch, was wir einem Ereignis zuschreiben. Eine Erfahrung kann schmerzhaft gewesen sein, ohne deshalb für immer die Bedeutung behalten zu müssen, die wir ihr gegeben haben. Aus „Das hat mich verletzt“ wird vielleicht irgendwann „Mit mir stimmt etwas nicht“. Aus „Dieser Mensch hat mich enttäuscht“ wird „Ich kann niemandem vertrauen“. Und aus einer einzelnen Erfahrung wird plötzlich eine Wahrheit über unser ganzes Leben.
Gerade bei Situationen, die uns immer wieder triggern, ist das spannend. Oft ist es gar nicht mehr nur das ursprüngliche Ereignis, das uns beschäftigt, sondern die Bedeutung, die wir ihm gegeben haben und immer wieder bestätigen. Wir erinnern uns daran, erzählen die Geschichte erneut und erleben dadurch emotional immer wieder dasselbe. So kann etwas, das längst vorbei ist, weiterhin erstaunlich viel Macht über unsere Gegenwart besitzen.
Vielleicht müssen wir deshalb nicht immer das Ereignis loslassen. Vielleicht dürfen wir zunächst die Bedeutung überprüfen, die wir ihm gegeben haben.
Was, wenn diese Situation nicht beweist, dass du nicht gut genug bist? Was, wenn sie nicht bedeutet, dass du immer wieder dasselbe erleben musst? Was, wenn sie heute eine andere Bedeutung bekommen darf?
Und dann kommt noch die Bewertung ins Spiel. Wir bewerten beinahe alles: gut oder schlecht, richtig oder falsch, gewollt oder unerwünscht. Das gibt uns Orientierung und Sicherheit. Gleichzeitig kann genau diese ständige Bewertung unseren inneren Raum unglaublich eng machen.
Denn wenn wir bereits entschieden haben, wie etwas sein muss, damit es gut für uns ist, lassen wir kaum noch Raum dafür, dass das Leben uns überraschen darf.
Vielleicht wünschen wir uns eine Veränderung und sind enttäuscht, wenn sie nicht auf dem von uns erwarteten Weg kommt. Vielleicht halten wir etwas für einen Rückschritt, obwohl sich daraus später etwas ganz anderes entwickelt. Vielleicht lehnen wir eine Begegnung ab, weil sie zunächst überhaupt nicht in unser Bild passt – und erkennen erst später, welche Bedeutung sie tatsächlich hatte.
Genau hier berühren sich für mich Bedeutung, Bewertung und spirituelle Arbeit.
Denn was wäre, wenn wir nicht alles sofort wissen und einordnen müssen? Wenn wir nicht entscheiden müssen, ob etwas gerade gut oder schlecht, Chance oder Rückschritt ist?
Wenn wir ständig bewerten, machen wir unseren Raum für Möglichkeiten kleiner. Wir halten daran fest, wie etwas sein soll, wann es geschehen soll und auf welchem Weg es zu uns kommen muss. Damit geben wir dem Leben sehr genaue Vorgaben – und übersehen möglicherweise genau die Überraschungen und Fügungen, die niemals in unseren ursprünglichen Plan gepasst hätten.
Spirituelle Arbeit bedeutet für mich deshalb nicht, alles schönzureden oder schwierige Erfahrungen als „Fügung“ zu betrachten. Es bedeutet, die eigene innere Beteiligung ehrlich anzuschauen.
Denn wir können nicht immer entscheiden, was uns im Leben begegnet. Wir können aber Verantwortung dafür übernehmen, welche Bedeutung wir dem geben, was uns begegnet. (siehe Online-Kurs Eigenverantwortung)
Vielleicht ist genau das eine kraftvolle Form von Eigenverantwortung: bewusster zu entscheiden, wie viel Raum, Wichtigkeit und Bedeutung eine Situation in unserem Leben bekommen soll.
Und vielleicht darfst du dich bei der nächsten Situation, die dich triggert, einmal etwas anderes fragen:
Welche Bedeutung gebe ich dem gerade – und muss sie wirklich so groß bleiben?
Vielleicht verändert sich dadurch nicht, was passiert ist.
Aber vielleicht verändert sich etwas viel Entscheidenderes: Dein Blick darauf.
Und manchmal beginnt genau dort wieder Raum für das, was du noch gar nicht sehen kannst.
Von Herz zu Herz
Ilka Plassmeier
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